Kontamination und Dekontamination – Teil II

Über das Thema Dekontamination – bezogen auf den ABC-Einsatz bei der Feuerwehr – gibt es zahlreiche Publikationen, bei denen man selbst als fachkundiger Leser schnell den Überblick verlieren kann. Allein die Dekontamination für die drei Bereiche A, B und C sind jeweils Wissenschaften für sich. Bei der Feuerwehr bzw. im Katastrophenschutz ist die Kurzbezeichnung Dekon üblich. Andere Bereiche sind mit den Buchstaben etwas geiziger und sprechen nur von Deko (was aber nicht Dekoration verwechselt werden sollte!). In der Kerntechnik hingegen ist man etwas großzügiger, dort lautet die Bezeichnung üblicherweise Dekont. Aber egal ob nun Deko, Dekon oder Dekont; gemeint ist stets das Gleiche – die Grobreinigung von Einsatzkräften (inklusive deren Schutzkleidung) , von anderen Personen sowie von Gerätschaften (sinngemäße Definition der vfdb-Richtlinie 10/04).

Wie allgemein bekannt sein dürfte, unterscheidet die FwDV 500 die Notdekon sowie drei Dekonstufen (hierzu später mehr).

Generell lassen sich bei der Dekon zwei Arten unterscheiden:

Grobdekon als Maßnahme im Einsatz (Dekon-Platz) zur zügigen Reduktion der Kontamination vor Ort. Dies ist die Standard-Dekonmaßnahme im ABC-Einsatz

Feindekon ist die vollständige Beseitigung einer Kontamination durch Fachpersonal mit entsprechender Ausstattung und Nachweistechnik. Ziel ist hierbei die vollständige Wiederherstellung der Gebrauchstauglichkeit kontaminierter, hochwertiger Gegenstände.

Um die Dekon durchzuführen, kommen grundsätzlich zwei verschiedene Dekon-Verfahren in Betracht – einzeln oder in Kombination:

Mechanisch
Hierbei wird die Kontmination durch rein mechanische Materialbearbeitung, wie z.B. Wischen, Bürsten, Schleifen, Anwendung von Klebebändern/-folien, Wasserstrahl-, Dampfstrahl oder Sandstrahlverfahren oder Ultraschallanwendung beseitigt oder zumindest minimiert. Bei allen abrasiven Verfahren ist dabei immer die Staubentwicklung berücksichtigen (Atemschutz!).

Chemisch
Bei der chemischen Dekon erfolgt das Ablösen von Kontaminationen durch geeignete Lösungsmittel;  Standardfall ist hier die Anwendung von Wasser. Je nach Substanz und Ausdehnung der Kontamination können auch Tenside (Seife), organische Lösungsmittel (z.B. Benzin, Aceton, Isopropanol) bzw. verdünnte Säuren und Laugen zum Einsatz kommen. Gerade bei organischen Lösungsmitteln, Säuren und Laugen ist unbedingt die Materialverträglichkeit vorab zu prüfen! Sollte die kontaminierte Oberfläche angegriffen werden, wird die Situation u.U. „verschlimmbessert“ – von dem ausbleibenden Dekon-Erfolg einmal ganz zu schweigen.
Zur chemischen Dekon gehört die Anwendung von Desinfektionsmitteln gegen Mikroorganismen und Viren (B-Gefahren).

Die o.g. Ausführungen beziehen sich ausschließlich auf Dekon von Gegenständen. Die Dekon von Personen – verletzt oder unverletzt – ist ein gesondertes Kapitel.

(Fortsetzung folgt)

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