Die Erkunder-Simulation: Eine Software für realistische Übungen mit dem ABC-Erkunder

Einsatzübungen mit dem ABC-ErkKW realistisch zu gestalten, stellt die Ausbilder des Katastrophenschutzes vor besondere Herausforderungen. Großflächige Kontaminationen des Geländes mit Echtstoffen darzustellen, ist aus Gründen des Umwelt- und Strahlenschutzes nicht möglich. Eine Alternative bietet die Erkunder-Simulation: eine Computer-Software, mit der radiologische Lagen realitätsnah für den ABC-ErkKW dargestellt werden können.

Die Erkunder-Simulation stellt bei der Fahrt durch das Gelände erhöhte Dosisleistungen direkt in der Auswerte-Software des ABC-ErkKW dar. Dazu nutzt die Erkunder-Simulation die Daten des GPS-Empfängers, um laufend die Position des Fahrzeugs zu bestimmen. Dann wird die Dosisleistung an der Stelle entsprechend der zuvor eingegebenen Parameter berechnet und in das Format der radiologischen Messgeräte übersetzt. Diese Daten werden von der Auswerte-Software des ABC-ErkKW anstatt der realen Daten der Messgeräte empfangen.

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So ist es möglich, mit dem ABC-ErkKW durch ein beliebiges Übungsgelände zu fahren und Werte mehr oder weniger erhöhter Dosisleistung in der Auswerte-Software angezeigt zu bekommen. Die Werte entsprechen immer denen, die sich für die Position des Fahrzeugs aus der eingegebenen räumlichen Verteilung ergeben. Die Einsatzkräfte können die Auswerte-Software ohne Einschränkungen bedienen. Außerdem können sie taktische Entscheidungen umsetzen und ein kontaminiertes Gebiet zum Beispiel eingrenzen oder kreuzen.

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Die Ausbilder geben das als betroffen angenommene Gebiet in seiner Ausdehnung vorab in das Programm ein. Gebiete erhöhter Dosisleistung können in der Form einer oder mehrerer Ausbreitungsfahnen dargestellt werden, wie sie sich nach Freisetzungen radioaktiver Stoffe in die Luft ergeben. Um diese Bereiche festzulegen, müssen nur wenige Parameter eingegeben werden: die geografischen Koordinaten des Ortes der höchsten Dosisleistung, die dortige Dosisleistung, die Ausbreitungsrichtung und die Halbwertsbreiten entlang, entgegen und quer zur Ausbreitungsrichtung. Außerdem kann die Erkunder-Simulation erhöhte Dosisleistungen nach dem quadratischen Abstandsgesetz anzeigen, um das Vorhandensein von Punktquellen im Gelände zu simulieren.

Um die Erkunder-Simulation verwenden zu können, wird neben der Software und einem ABC-ErkKW Standard-Computerzubehör wie serielle Kabel und Adapter im Wert von etwa 100 Euro benötigt. Die erforderlichen Umbauten am Auswerte-Computer des Fahrzeugs sind innerhalb weniger Minuten erledigt und vollständig reversibel.

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Bislang wurde die Erkunder-Simulation in drei Einsatzübungen beim ABC-Zug München-Land verwendet. In einer Übung wurde eine Freisetzung aus einer (fiktiven) kerntechnischen Anlage wenige Kilometer nördlich von München angenommen. Durch Wind aus Osten bis Nordosten ergaben sich zwei Ausbreitungsfahnen bis in den nördlichen Stadtrand. Passend zu einer Freisetzung über den Abluftkamin lagen die Orte der stärksten Kontamination in einiger Entfernung zum Standort der Anlage. Die Aufgaben der Einsatz- und Führungskräfte in der Übung waren

  • das kontaminierte Gebiet durch Grenzmessungen, d. h. ohne es zu durchfahren, zu bestimmen,
  • Proben von Bewuchs und Oberflächenwasser an geeigneten Stellen zu nehmen,
  • einen geeigneten Standort für den Kontaminationsnachweisplatz zu finden.

Die Einsatzkräfte im beteiligten ABC-ErkKW legten während der sechsstündigen Übung insgesamt 85 km Fahrtstrecke zurück. Sie bestimmten die Ausbreitung des kontaminierten Gebiets im Süden und Westen bis zur Umkehr-Dosisleistung von 15 µSv/h, die durch die Einsatzleitung festgelegt wurde. Nach einer ersten Abschätzung in der Messleitung entschieden die Führungskräfte, den Gerätewagen Atem- und Strahlenschutz, der die Ausstattung für den Kontaminationsnachweisplatz mitführt, das kontaminierte Gebiet südlich umfahren zu lassen. Der Kontaminationsnachweisplatz wurde dann nördlich der beiden Ausbreitungsfahnen eingerichtet.

Weitere Information bietet die Internetseite des Projektes.

 Gastautor:

Oliver Meisenberg ist Diplom Physiker und Ausbilder für Strahlenschutz beim ABC-Zug München-Land

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