Dekontamination – Wasser vs. aktive Spüllösung Teil 2

Dekontamination – Wasser vs. aktive Spüllösung Teil 2

Gibt es neben der schnellen wirksamen Ersten Hilfe unmittelbar nach der Kontamination weitere Vorteile für die aktive Spüllösung im Einsatzfall?

Selbstverständlich macht es Sinn und ist notwendig, mit der Dekontamination erst später bzw. nach Eintreffen der Rettungskräfte zu beginnen, wenn bis dahin noch keine wirksamen Dekon-Maßnahmen von Ersthelfern durchgeführt wurden / werden konnten (z.B. weil die Hilfsmittel dazu fehlten). Ebenso ist zwingend eine Dekontamination durchzuführen, wenn Zweifel an der Wirksamkeit der beim Eintreffen bereits durchgeführten Erstmaßnahmen vor Ort bestehen. Die Wirkung für den Betroffenen ist dann bei aggressiven Chemikalien jedoch nur noch sehr begrenzt bis im ungünstigsten Fall gar nicht mehr gegeben (wenn der Stoff bereits vollständig mit dem Gewebe reagiert hat), da der Stoff bereits weit in den Körper eingedrungen sein und dort irreversible Schäden verursacht haben kann. Wenn der Gefahrstoff noch nicht vollständig mit dem menschlichen Gewebe reagiert hat, dann wird zumindest die weitere Reaktion von der aktiven Spüllösung gestoppt.

Die Dekontamination des Verletzten dient in solchen Fällen jedoch primär nicht mehr der Versorgung des Verletzten, sondern hauptsächlich der Verhinderung der Kontaminationsverschleppung und somit dem Schutz der Einsatzkräfte am Dekon-Platz, im Rettungsdienst und bei der Weiterbehandlung im Krankenhaus. Denn es gilt: Jede Verätzung muss ärztlich versorgt werden, da der Schaden im Körper von außen nicht vollständig sichtbar ist.

Für die Sicherheit der Betroffenen, der Einsatzkräfte und der nachgeschalteten Akteure in der Rettungskette sind aktive Spüllösungen eine sehr gute Alternative zu Wasser bei der Dekontamination. Folgeschäden beim Betroffenen (z.B. weitere Verätzungen durch ablaufendes Spülwasser, Unterkühlung durch die Dekontamination mit Wasser über mehrere Minuten) sowie eine Gefährdung der Helfer durch ablaufende oder umherspritzende kontaminierte Spüllösung mit gefährlichen Eigenschaften sind hier bei der Dekontamination nicht zu erwarten. Bei Stoffen, die sich mit Wasser nicht von der Hautoberfläche entfernen lassen, kann die aktive Spüllösung ebenfalls wirken. Gefährliche Restanhaftungen von Gefahrstoffen am Verletzten sind somit unwahrscheinlicher als bei einer Dekontamination mit Wasser. Dabei kann die aktive Spüllösung dem Betroffenen nicht schaden, man kann also nicht zu viel davon auf den Körper aufbringen.

Für die Einsatzkräfte stellen aktive Spüllösungen auch eine Alternative zu Wasser bei der Dekontamination von CSA-Trägern im C-Einsatz dar. Die aktiven Spüllösungen kommen mit Mengen im Milliliterbereich für die sichere Dekontamination eines CSA-Trägers aus, während zugleich die ablaufende Spülflüssigkeit für die Helfer am Dekon-Platz keine Gefahr mehr darstellt. Während bei der Dekontamination mit Wasser auch kontaminierte (Spül)Flüssigkeit mit gefährlichen Eigenschaften umherspritzen kann, besteht diese Gefahr beim Einsprühen von Personen mit aktiver Spüllösung nicht. Des Weiteren muss man sich nicht mit den „klassischen“ Problemen der ausreichenden Wasserversorgung für die Dekontamination der eingesetzten Kräfte und ggf. Verletzter sowie dem Auffangen großer Mengen an anfallendem Reinigungswasser mit ggf. noch gefährlichen Eigenschaften am Dekon-Platz beschäftigen.

Des Weiteren dient die Vorhaltung aktiver Spüllösungen an der Einsatzstelle dem Eigenschutz der eingesetzten Kräfte im Gefahrenbereich. Falls es hier zu einem Unfall kommt und ein Kamerad kontaminiert wird, kann er mit der aktiven Spüllösung schnell optimal erstversorgt werden. Für ABC-Züge und Feuerwehren mit Chemikalienschutzanzügen bietet es sich somit an, für die Dekontamination neben Wasser über die Vorhaltung aktiver Spüllösungen nachzudenken.

Hier bietet SkinNeutrAll aktuell das größte Einsatzspektrum der mir bekannten am Markt erhältlichen Produkte und bietet sich deshalb aus meiner Sicht für die öffentliche Gefahrenabwehr (theoretisch unbegrenztes Spektrum an Chemikalien, das uns im Einsatzfall begegnen kann bei oftmals unbekannten Chemikalien in der Anfangsphase) an. Üblicherweise werden aktive Spüllösungen entweder „nur“ für die Versorgung Verletzter oder für die Dekontamination von Oberflächen hergestellt, so dass zwei unterschiedliche aktive Spüllösungen erforderlich wären für die Dekon Verletzter und die Dekon der CSA-Träger bzw. von Oberflächen. SkinNeutrAll hat sich dagegen von Anfang an bei der Entwicklung mit der Dekontamination von Personen und Ausrüstung (also Oberflächen aller Art) beschäftigt und kann deshalb als einziges mir bekanntes Mittel für beide Anwendungszwecke gleichermaßen verwendet werden bei einem großen Wirkspektrum gegenüber Chemikalien. Bei Standardlagen wie z.B. Etching mit HF kann das Notfallspray auch zur wirksamen Dekontamination der Oberflächen eingesetzt werden. Aus diesen Gründen habe ich das Mittel im letzten Blogeintrag vorgestellt (Hinweis: wir haben seitens abc-gefahren.de nichts mit den Herstellern und dem Vertrieb der im Blog vorgestellten bzw. verlinkten Produkte zu tun, wir stellen „nur“ aus unserer Sicht interessante neue Produkte für ABC-Einheiten / ABC-Einsätze in unserem Blog vor).

Zu guter Letzt noch ein Praxistipp: Die aktive Spüllösung kann auch als erste Maßnahme auf die kontaminierte Kleidung Verletzter (auch z.B. CSA-Träger mit beschädigtem Anzug) aufgebracht werden, um mehr Zeit zum Entkleiden zu gewinnen und die Helfer beim Entkleiden zu schützen. Wichtig ist hier jedoch, dass genügend aktive Spüllösung vorhanden ist, dass die kontaminierten Körperoberflächen nach dem Entkleiden ebenfalls noch mit aktiver Spüllösung dekontaminiert werden können. Steht nicht genügend aktive Spüllösung zur Verfügung, dann wird empfohlen, erst zu Entkleiden und anschließend alle kontaminierten Körperoberflächen zu spülen.

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