Verhinderung der Ausbreitung chemischer Stoffe

Die Standardmaßnahmen zur Verhinderung der Ausbreitung chemischer Stoffe sind Auffangen, Binden und Abdichten

Da ein vollständiges Abdichten des leckgeschlagenen Objektes in der Regel nicht möglich ist, Abdichtarbeiten erst nach der Stoffidentifikation durchgeführt werden können (gefährliche chemische Reaktionen mit falschem Abdichtmaterial möglich) und geeignetes Bindemittel nicht immer in ausreichender Menge zur Verfügung steht, liegen die Schwerpunkte klar beim Auffangen des austretenden Stoffes und dem Abdichten der Umgebung (darunter fallen z.B. Abschiebern der Stoffzufuhr bei Leckagen in Rohrleitungen und Abschiebern der Kanalisation)

Vorgehen bei flüssigem Gefahrstoff

1. Flüssigkeit auffangen: bei bekanntem Stoff geeignetes Material verwenden, bei unbekanntem Stoff bei kleineren Mengen Edelstahlwanne mit PE-Folie auslegen, bei größeren Mengen PE-Folie oder das Verpackungsmaterial (sofern sichergestellt ist, dass der Stoff richtig verpackt ist) zum Auffangen verwenden.

Bei PE-Folie sind keine gefährlichen chemischen Reaktionen mit Flüssigkeiten oder Feststoffen zu erwarten. Sollte es nicht dauerhaft beständig sein, hat man zumindest ein Zeitfenster geschaffen, um die Stoffidentifikation durchführen und geeignetes Material zum Auffangen organisieren zu können. Selbstverständlich kann man auch HD-PE-Folie verwenden, ist sogar noch ein bisschen chemikalienbeständiger als PE-Folie.

Den aufgefangenen Stoff möglichst unverändert lassen und nicht z.B. Auffangwanne mit Bindemittel auffüllen (sonst ist eine Probenahme zur Stoffidentifikation nicht mehr möglich). Sollte das Auffangbehältnis zu klein werden besteht evtl. die Möglichkeit, den Stoff im Kreis zu pumpen (vom Auffangbehältnis ins leckgeschlagene Behältnis zurück pumpen)

2. Versuchen, die Leckage so gut es geht, abzudichten

3. Bindemittel zur Verringerung der Kontamination durch bereits ausgetretene Flüssigkeit einsetzen. Dies wird in einem der folgenden Blogeinträge ausführlich behandelt

4. Weitere Ausbreitung mittels Abdichten der Umgebung verhindern (z.B. Kanal abdichten)

Vorgehen bei festem Gefahrstoff

1. Feststoff auffangen: bei bekanntem Stoff geeignetes Material verwenden, bei unbekanntem Stoff bei kleineren Mengen Edelstahlwanne mit PE-Folie auslegen, bei größeren Mengen PE-Folie oder das Verpackungsmaterial (sofern sichergestellt ist, dass der Stoff richtig verpackt ist) zum Auffangen verwenden

2. Versuchen, die Leckage so gut es geht, abzudichten

3. Bei Feststoffen gehen die größten Gefahren zum einen von der Inkorporation und zum anderen von der chemischen Umsetzung in einen anderen Stoff (z.B. bei Kontakt mit Regenwasser) aus. Um die unkontrollierte Ausbreitung und ungewollte chemische Umsetzung zu verhindern, sollte der Feststoff möglichst vollständig abgedeckt werden. PE-Folie ist auch dazu immer geeignet

Vorgehen bei gasförmigen Stoffen

Bei Gasen ist die Stoffidentifikation (z.B. Behälter- oder Leitungskennzeichnung, Gasmessgeräte) nötig, um geeignete Maßnahmen und Materialien festlegen zu können!

Bei tiefkalten oder heißen Gasen bzw. Dämpfen Berührung vermeiden!

Falls das Gas nicht gefährlich mit Wasser reagiert kann man bei einer kleinen Leckrate das Mittelschaumrohr als Notabsorber einsetzen und bei großen Leckraten die Gaswolke mit Wasser niederschlagen. Oftmals ist bei großen Leckraten die Hauptwirkung des Wassereinsatzes die Umlenkung der Gaswolke und der Großteil des Gases verbindet sich nicht mit dem Wasser! Um eine möglichst hohe Absorptionsrate zu erreichen sollte die Gaswolke von zwei Seiten mittels Wassergasse in die Zange genommen werden. Dabei das Wasser möglichst in einem Winkel von 45° zur Gaswolke einbringen

Quelle: Geissmann, Ludescher: Chemiewehr für Einsatzkräfte, Simowa-Verlag, 2006

2 Comments

  1. Bei flüssigen Stoffen sind Dichtkissen sehr nützlich, weil sie gerade Rohre perfekt abdichten. Mindestens genau so gut sind übrigens Absperrblasen, die zusätzlich noch den Vorteil haben, dass sie aufgeblasen werden können und so noch größere Rohre abdichten können. Mit dieser Methode kann die Ausbreitung von flüssigem Gefahrenstoff verhindert werden.

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