Silobrände – Oft unterschätzte Gefahrenquellen

Silobrände – Oft unterschätzte Gefahrenquellen

Silobrände gehören im Allgemeinen nicht zum Tagesgeschäft der Feuerwehren in Deutschland. Gleichzeitig kommt es im Zusammenhang bei diesen Einsätzen immer wieder zu gefährlichen Durchzündungen und in Folge dessen zu Verletzten und sogar Toten. Feuerwehrleute müssen daher für die besonderen Gefahren bei Schwel- und Glimmbränden in Bunker- und Siloanlagen sensibilisiert werden.

 

Silobrände unterscheiden sich stark von den herkömmlichen Bränden zu denen Feuerwehren gerufen werden. Während bei Gebäude- und Vegetationsbränden von einer hohen Brand-Dynamik ausgegangen werden muss, ist dies in der Regel bei Silobränden nicht gegeben. In den meisten Fällen besteht zudem keine direkte Gefahr für Leib und Leben und es gilt lediglich Sachwerte zu schützen. Trotzdem begeben sich Einsatzkräfte regelmäßig, zum Teil auch unwissend, in Gefahr.

Silobrände sind meist Schwel- oder Glimmbrände. Das heißt es ist grundsätzlich mit verdeckten, sich langsam ausbreitenden Glutnestern mit punktuell hohen Temperaturen zu rechnen. Über die Lage dieser Glutnester kann im Allgemeinen keine Aussage getroffen werden.

 

Trotz des nahezu geschlossenen Aufbaus von Siloanlagen sind diese meistens nicht gasdicht konstruiert, sodass der Sauerstoff-Eintrag ausreichend ist, um die Verbrennung aufrecht zu erhalten. Hohe Pyrolysegaskonzentrationen am Silokopf, als Produkt der unvollständigen Verbrennung, bergen die Gefahr der Rauchgasdurchzündung. Eine wesentlich höhere Gefahr geht jedoch von der Durchzündung von aufgewirbeltem Staub aus (Staubexplosion). Unabhängig von ihrer durchschnittlichen Korngröße ist bei Schüttgütern grundsätzlich von einem gewissen (zündfähigen) Staubanteil auszugehen. Dieser Staub fällt z.B. durch Reibung bei Transport an. Kleinste Bewegungen und Erschütterungen im Schüttgut können zur Aufwirbelung von Staub führen. Hierzu zählen insbesondere Bewegungen durch Ein- und Austragsarbeiten, die beabsichtige und unbeabsichtigt Zerstörung von Produktbrücken oder das Stochern im Material zur Unterstützung der Fließfähigkeit.

Aufgewirbelter Staub kann bei Kontakt mit einer Zündquelle (z. B. einem Glutnest) schlagartig durchzünden. In geschlossenen Silobehältern oder -zellen können dabei hohe Drücke auftreten, die in der Vergangenheit schon zu schweren Zerstörungen an Silos mit Toten und Verletzten geführt haben.

 

Um die Gefahr einer Staubexplosion zu unterbinden sind im Grunde, basierend auf dem Verbrennungsdreieck, folgende Maßnahmen denkbar:

  1. Verhinderung der Staubaufwirbelungen (brennbarer Stoff)
    1. prozessbedingt nicht möglich, jede Bewegung des Schüttgutes wirbelt Staub auf
  2. Löschen der Glutnester (Zündquellen)
    1. Lokalisierung der Glutnester nicht ohne weiteres möglich
    2. Eintrag von Löschwasser aufgrund von Silostatik und ggf. der Quellfähigkeit des Schüttgutes nicht zu empfehlen
    3. lokales Aufbringen von Löschmittel in der Regel nicht möglich, da Glutnester nicht ohne weiteres freigelegt werden können
  3. Verringern der Sauerstoffzufuhr
    1. Abdichten durch technische Maßnahmen allein oft nicht ausreichend
    2. die zusätzliche Zufuhr von Inertgasen, um die Sauerstoffkonzentration herabzusenken, ist daher notwendig

 

Um eine verlässliche Aussage über den Löscherfolg treffen zu können ist in der Regel das gesamte betroffene Silo zu leeren. Aufgrund der Staubexplosionsgefahr ist im Allgemeinen die Inertisierung des Silos für dessen Entleerung unerlässlich. Bei den Austragsarbeiten ist weiterhin Vorsicht geboten. Zwar ist das Siloinnere beim richtigen Einsatz von Inertgasen nicht explosionsgefährdet, nach dem Austritt aus dem Silo ist die Sauerstoffzufuhr jedoch durch die Umgebungsluft gesichert. Gleichzeitig ausgetragene Glutnester können somit im freien Auslauf aufgewirbelten Staub entzünden.

Inertisierung- und Austragsarbeiten sollten daher in Anwesenheit von sach- und fachkundigen Personen mit Erfahrungen im Bereich der Silobrandbekämpfung durchgeführt werden.

 

Über die Autoren.

Jörg Kayser und Simon Schuster sind Fachberater für die Bekämpfung von Bunker- und Silobränden am Zentrum für Brand- und Explosionsschutz der DMT GmbH & Co. KG in Dortmund.

Im Notfall sind die Fachberater für die Silobrandbekämpfung der DMT unter +49 231 5333-237 erreichbar.

Weitere Infos zum Thema gibt es hier: https://anlagen-produktsicherheit.dmt-group.com/de/consulting-gutachten/sonderbrandbekaempfung/

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