Aufbau der Standard-Dekontamination nach FwDV 500 (Dekon-Stufe II)

Wie sieht der Aufbau der Standard-Dekontamination bei jedem ABC-Einsatz unter persönlicher Sonderausrüstung (z.B. CSA, Kontaminationsschutzanzug) für 1-5 Personen, also die Dekon-Stufe 2, aus?

Der Dekon-Platz muss grundsätzlich spätestens 15 Minuten nach dem ersten Anlegen einer persönlichen Sonderausrüstung (Anschluss des Pressluftatmers) betriebsbereit sein! Bis der Dekon-Platz betriebsbereit ist, muss eine Not-Dekon bereit stehen, sobald ein Trupp in den Gefahrenbereich vorgeht.

Empfehlung: Beim ABC-Einsatz gilt Sicherheit vor Schnelligkeit! Ist keine Menschenrettung erforderlich sollte der erste Trupp erst in den Gefahrenbereich vorgehen, wenn der Dekon-Platz einsatzbereit ist.

Der Dekon-Platz sollte möglichst auf festem Untergrund errichtet werden. Eine ausreichende Wasserversorgung muss, An- und Abfahrtswege für den Rettungsdienst sollten vorhanden sein.

Die persönliche Schutzausrüstung der Mitglieder des Dekon-Trupps besteht aus Körperschutzanzug Form 2, Gummistiefeln, je 1 Paar Infektionsschutz- und Chemikalienschutzhandschuhen und Vollschmutzmaske mit ABEK2P3-Filter. Die Übergänge zwischen den Kleidungsstücken (Stiefel-Anzug, Maske-Anzug, Handschuhe-Anzug) werden mit Panzertape abgeklebt! Dies verhindert, dass ein Kleidungsstück verrutscht und die Haut ungeschützt mit dem Gefahrstoff in Kontakt kommen kann. Der Dekon-Trupp kann sich also nicht alleine ausrüsten, sondern benötigt mindestens 1 Einsatzkraft zur Unterstützung.

ausgerüsteter Dekon-Trupp

Aufbau des Dekon-Platzes

Während sich der Dekon-Trupp ausrüstet, kümmert sich die restliche Mannschaft um den Aufbau des Dekon-Platzes. Um eine Kontaminationsverschleppung zu vermeiden, wird als erstes der Untergrund vollständig mit Folie ausgelegt. Benötigt werden mindestens zwei verschiedenfarbige Folien a 5x5m. Die unterschiedlichen Farben sind sehr empfehlenswert, damit die Grenze vom Schwarz- (unreiner bzw. kontaminierter Bereich) zum Weiß-Bereich (sauberer bzw. nicht kontaminierter Bereich) deutlich sichtbar ist. Im Folgenden Bild ist die rote Folie der Schwarz- und die gelbe Folie der Weiß-Bereich. Der Dekon-Trupp wurde absichtlich farblich unterschiedlich angezogen, damit der Schmutzigmann schnell und problemlos vom Saubermann unterschieden werden kann.

aufgebauter Dekon-Platz

Die erste Folie ist der Schwarzbereich. Am Anfang des Dekon-Platzes ist die Geräteablage. Kontaminiertes Gerät darf den Gefahrenbereich erst nach erfolgreicher Dekontamination verlassen. Die Dekontamination von Geräten wird jedoch in der Regel nicht von der Feuerwehr durchgeführt. In der Regel wird das Material am Dekon-Platz stehen gelassen und  dessen Dekontamination darauf spezialisierter Fachfirmen überlassen. Sollte mehr Material anfallen, wird der Schmutzigbereich einfach nach vorne um eine Folie erweitert.

Geräteablage

Hinter der Geräteablage wird die Duschwanne auf der selben Folie im Schwarz-Bereich errichtet. In der Duschwanne erfolgt die Grobreinigung. Das kontaminierte Wasser muss dabei möglichst vollständig in der Duschwanne aufgefangen werden. Man kann die Duschwanne aus 4 Steckleiterteilen und einer Folie selbst basteln oder einen Faltbehälter zur Duschwanne umfunktionieren (Tipp: Füße kürzen oder selbst Gestell mit kürzeren Füßen basteln) oder eine fertige Duschwanne kaufen.

Zur Reinigung der Chemikalienschutzanzüge sollte bei der Duschwanne ein (Hohl)Strahlrohr möglichst mit Netzwasser am Rohr und eine Autowaschbürste zum Entfernen grober Verschmutzungen vorgehalten werden.

Grobreinigung

Zur Dekontamination von Verletzten werden eine Kleiderschere, ein Schwamm, Einmal-Handtücher und eine Augenspülflasche am Dekon-Platz benötigt.

Zur Aufbewahrung des Chemikalienschutzanzuges oder der kontaminierten Kleidung Verletzter nach der Dekontamination werden Foliensäcke und Kontaminationsanhängekarten benötigt.

Materialablage Foliensäcke

Nach dem Ablegen der Schutzkleidung ist von Kontaminationsfreiheit auszugehen, sofern der Chemikalienschutzanzug unbeschädigt war. Falls nötig (beim A-Einsatz vorgeschrieben) und möglich (technisch und zeitlich) erfolgt eine Kontaminationskontrolle.

Kontaminationskontrolle

Achtung: Ist eine spezielle Dekon-Einheit vorhanden, so ist diese laut FWDV 500 zu alarmieren, sobald ein
Einsatz unter persönlicher Sonderausrüstung abzusehen ist! Da diese Einheiten jedoch nicht immer zeitnah zur Verfügung stehen und Paralleleinsätze nie ausgeschlossen werden können, sollte jede Wehr mit Gefahrgut-Grundausstattung Material für die Standard-Dekontamination mitführen und diese durchführen können. Es reicht nicht aus, die leichten Chemikalienschutzanzüge allein (wie es in der Norm enthalten ist) auf dem LF/HLF mitzuführen. Der Körperschutzanzug Form 2 kann nur in Verbindung mit Gummistiefeln, Chemikalienschutzhandschuhen und Panzertape (neben Infektionsschutzhandschuhen und Atemschutz, was auf jedem LF/HLF mittlerweile Standard sein sollte) sinnvoll eingesetzt werden. Ebenso sollte eine Kleiderschere für die Not-Dekon zur Gefahrgut-Grundausstattung gehören.

Der Ablauf der Dekontamination wird in den nächsten Blog-Einträgen ausführlich vorgestellt.

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